Wenn du im Internet, bei Google, Amazon, Pinterest oder sonst wo nach Lerntypen suchst, wirst du unzählige Ergebnisse finden. Dir wird dabei fast immer angepriesen, wie wichtig es ist, dass du deinen Lerntyp kennst. Angeblich ändert sich damit dein gesamtes Lernen. Es ist für dich sozusagen der „Heilige Gral“, wenn du deinen Lerntypen kennst. Dabei sagt dir aber niemand, dass diese eindimensionale Einteilung in Kategorien deinem eigenen Lernen nicht gerecht wird. Mehr noch, für die Einteilung in Lerntypen fehlt die wissenschaftliche Basis.

Warum das so ist und dennoch so viele an den Mythos Lerntypen glauben erfährst du in diesem Artikel. Außerdem erfährst du auch auf was du an stattdessen beim Lernen achten musst.

 

Was sind Lerntypen und Lerntypentests?

Die Einteilung in Lerntypen gibt es bereits seit den 70er Jahren. Am bekanntesten sind die vier Lerntypen nach Vester. Daneben gibt es aber noch eine unüberschaubare Menge weiterer Ansätze, Lernende in verschiedene Schubladen einzuordnen. In einer Studie renommierter amerikanischer Lernforscher wurden beispielsweise nicht weniger als 71 solcher Modelle gefunden.

Nach Vester werden Lernende in haptische, visuelle, auditive und abstrakt-verbale Lerntypen eingeteilt. Jeder dieser Lerntypen hat dabei seine eigenen bevorzugten Lernarten.

Der haptische Lerntyp lernt dabei am besten, indem er die Dinge in die Hand nimmt und selbst ausprobiert. Die Stärken des visuellen Lerntypen liegen in bildlichen Lernarten. Der Auditive lernt hingegen am besten durch Zuhören und der abstrakt-verbale Lerntyp bevorzugt es über nachdenken und kritisches Hinterfragen zu lernen.

Lerntypentests dienen schließlich dazu mit gezielten Fragen herauszufinden, welchem Lerntyp du zugeordnet werden kannst. Wenn du möchtest, kannst du solche Test einmal durchführen. Dieser Test ist auf Deutsch.

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Warum die Einteilung in Lerntypen Unsinn ist.

Eigentlich hört sich eine solche Einteilung erst mal sinnvoll und überzeugend an. Schließlich kennst du es vielleicht auch selbst, dass du lieber Neues lernst, wenn es dir jemand vorträgt, anstatt einen komplizierten Text lesen zu müssen.

Wenn es so ist, dann geht es dir, wie einer ganzen Reihe von Verfechtern des lerntypenspezifischen Lernens. Denn hier gibt es selbst bei Experten, wie Wissenschaftlern und Lehrern, eine fast naive Vorstellung, dass Information über das Sinnesorgan quasi direkt in das Langzeitgedächtnis kommen. Dabei ist es dann vermeintlich nicht mehr nötig, das neue Wissen tatsächlich intensiv durchzuarbeiten, um es zu lernen, wie Nicole Becker von der Universität Tübingen in einem Beitrag für Psychologie Heute (Heft 11/2009) beschreibt.

Aber das ist das wirklich große Problem der Lerntypen, denn für die Wirksamkeit des Lernens mit Hilfe von Lerntypen, gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis.

Die Lernforscher Hal Pashler, Mark McDaniel, Doug Rohrer und Robert Bjork haben 2008 für einen Beitrag in der Zeitschrift Psychological Science in the Public Interest alle Studien untersucht, die sie finden konnten, die die Wirksamkeit der Einteilung in Lerntypen nachweisen wollten.

Das Ergebnis war ernüchternd. Die meisten Studien sind leider unbrauchbar, da sie nicht nach wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt wurden und damit keine Aussagekraft haben.

Die wenigen Studien, die ordentlich durchgeführt wurden, kamen schließlich fast alle zu dem Ergebnis, dass einem typengerechten Lernen, wie Vester es Beispielweise fordert, komplett widersprochen werden muss.

Daher gibt es keinen Anhaltspunkt, warum es einem Lerner helfen sollte, speziell nur mit einen Lernkanal, z.B. über das Hören, zu lernen.

Lerntypenpezifisches Lernen stellt daher für die Forscher eine Verschwendung der begrenzten Bildungsressourcen dar.

Die Einteilung in Lerntypen ist damit also ein Mythos, der wissenschaftlich nicht haltbar ist. In Institutionen, wie der Schule, ist die Einteilung nach Lerntypen sogar eine Verschwendung der begrenzten Zeit.

Darüber hinaus solltest du dir einmal die Frage stellen, welche Methoden für dich geeignet sind, solltest du der haptische Lerntyp sein. In Schule, Studium oder dem Beruf ist dieser Lerntyp in aller Regel nämlich nicht vorgesehen.

Warum ist die Einteilung nach Lerntypen aber so populär?

 

Warum ist die Einteilung nach Lerntypen so populär?

Meiner Ansicht nach ist Polarität der Einteilung in Lerntypen trotz fehlender wissenschaftlicher Basis auf zwei Punkte zurück zu führen.

 

1. Nicht die Lerntypen bringen eine Verbesserung, sondern die Methoden.

Zunächst einmal bekommen sehr viele Lernende mit Hilfe von Lerntypen neue Impulse für ihr Lernen. Lerntypentests werden meistens mit denen gemacht, die keine so guten Lernleistungen zeigen. Genau die sind es aber auch, die sich nicht mit ihrem persönlichen Lernen beschäftigen, dieses nicht reflektieren und über kein breites Repertoire an Lernstrategien verfügen.

Führt nun etwa ein Lehrer oder Coach mit einem solchen Lernenden einen Lerntypentest durch, dann ist das Ergebnis fast egal. Denn der ausschlaggebende Punkt ist nicht der jeweilige Lerntyp, der ermittelt wird. Viel wichtiger sind die neuen Impulse, die durch den Test ausgehen. Der Lehrer/Coach wird im Regelfall den Test nämlich mit dem Lernenden reflektieren und einsprechende Empfehlungen zu neuen Lernstrategien und Methoden aussprechen.

Damit verfügt der Lernende nun aber über ein breiteres Repertoire an Lernstrategien, was wahrscheinlich kurzfristig mit besseren Lernergebnissen einhergehen wird.

Kurzfristige Verbesserungen liegen also meiner Ansicht nach an den neuen Lernstrategien und Methoden und nicht an der Einteilung in Lerntypen. Wie sich dies aber auf langfristige Verbesserungen auswirkt, ist schwierig zu beurteilen. Im schlimmsten Fall ist es aber denkbar, dass der Lernende nur noch Lernmethoden wählt, die seinem Lerntyp „entsprechen“ und sich damit bei der Auswahl der Lernmethoden sehr einschränkt.

 

2. Es werden unwissentlich verschiedene Faktoren und Lerntypen gemixt.

Meine zweite Vermutung, warum die Einteilung in Lerntypen oftmals als sinnvoll angesehen wird, liegt daran, dass unwissentlich verschiedene  Lerntypen gemixt werden.

Nehmen wir an, Schüler Max hat einen Lerntypentest durchgeführt und es stellt sich heraus, er ist der visuelle Lerntyp. Er lernt also am besten, indem er sieht. Was heißt das aber jetzt genau?

Sieht Max sich jetzt nur Bilder an? Liest Max nur, um zu lernen?

Max wird wahrscheinlich versuchen verschiedene Medien zu nutzen, die ihm Informationen visuell anbieten.

Ganz vorne werden dabei unter Umständen Videos stehen. Sollte dies aber der Fall sein, dann nutzt Max zwei Sinnesorgane und damit auch zwei Lerntypen, den visuellen und den auditiven. Er mixt also die Lerntypen. Es kann damit aber nicht mehr gesagt werden, dass Max jetzt besser lernt, weil er mehr durch das Sehen lernt. Max hört nämlich gleichzeitig.

Und es ist gut, das er gleichzeitig sieht und hört. Die audiovisuelle Darstellung von bildlichen und verbalen Informationen ist nämlich förderlicher für das Lernen, als die reine visuelle Darstellung.

Dieses Phänomen nennt sich Modalitäts-Effekt im Sinne der Theorie des Multimedia-Lernens nach Mayer (2001) und ist wissenschaftlich abgesichert. Viele Studien haben recht eindeutig nachweisen können, dass du besser mit Bildern und gesprochenen Erläuterungen lernt, als nur mit Bildern und/oder geschrieben Texten.

Der Grund ist denkbar dafür einfach, es ist einfacher für dein Gehirn und dein Gehirn ist froh über alles Einfache, denn es ist eigentlich faul 😉

 

Und wie sollst du nun lernen?

Wie du gesehen hast, solltest du dich nicht auf die Einteilung in Lerntypen verlassen, da hier die wissenschaftliche Basis fehlt. Falls du aber Ideen und Impulse benötigst, wie du dein Lernen ändern kannst, dann mögen Lerntypentests eine Möglichkeit sein, dir neue Ideen zu geben. Denke dann aber immer daran, dass du nicht nur ein Lerntyp bist.

Kombiniere möglichst alle Sinneskanäle zum Lernen und schaffe dir damit ein breites Spektrum am Lernstrategien, die du passend zur jeweiligen Aufgabe anwenden kannst, wie diese Strategien:

Denke auch daran, dass du dein ganzes Leben lang lernst und sich deine persönlichen Lernstrategien im Laufe der Zeit immer wieder verändern werden. Schränke dich daher nicht selbst ein, indem du dich dem Mythos der Lerntypen hingibst.

Hast du vielleicht schon selbst Erfahrung mit Lerntypen gesammelt, oder bist anderer Meinung? Dann bist du herzlich eingeladen, einen Kommentar zu schreiben.

 

Quellen

Becker, N. (2009): Hirngespinste der Pädagogig. In: Psychologie Heute. 11/2009.

Mayer, R. E. (2001): Multimedia learning. Cambridge: Cambrigde University Press.

Pashler, H., McDaniel, M., Rohrer, D. & Bjork, R. (2008): Learning Styles: Concepts and Evidence. In: Psychological Science in the Public Interest. https://www.psychologicalscience.org/journals/pspi/PSPI_9_3.pdf (abgerufen am 05.06.2018).

Reinmann, G. (2012): Instructional Design. Hagen: FernUniversität in Hagen.

Saum-Aldehoff, T. (2010): Der Mythos vom „typengerechten Lernen“. In: Psychologie Heute. 01/2010. https://www.psychologie-heute.de/news/emotion-kognition/detailansicht/news/der_mythos_vom_typengerechten_lernen/ (abgerufen am 05.06.2018).

Vester, F. (1998): Denken, Lernen, Vergessen. 25. Aufl., München: dtv.

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Bildquellen

  • Lerntypen: Bild von Engin_Akyurt auf Pixabay